Tauche ein in Oli's Welt ... Discover Kassandera

Die Phoenixkönigin

Sich ein Bild machen. Sich in die Geschichte einlesen.
Wir werden hier immer wieder andere Textausschnitte und Illustrationen zeigen.
Um euch neugierig auf das Buch zu machen. Viel Freude!


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Brunnen:
Ohne Wasser kein Leben.


Der Brunnen in der Stadt am Fluss

Fischerhaus:
Am Wasser zuhause.


Das Fischerhaus
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Haltja:
Blut und Wasser.

Vater Haltja's linke Hand zuckte zurück und er liess das Messer aus der Rechten auf die von Wurzeln durchzogene Erde des Gartens fallen. Ein paar Tropfen dunkles Blut rannen an seinem linken Mittelfinger hinunter und tropften neben dem Messer auf die Erde. "Alles in Ordnung, Vater?" Der schmale hellbraune Schopf von Raja tauchte auf der anderen Seite der Salviasträucher auf. "Ja, ja, natürlich, Kind. Ich hab mich nur geschnitten, nichts Schlimmes."

Der alte Mann lächelte das kleine Mädchen an, wobei das Gesicht mit dem Backenbart absichtlich lustig verzog, was die kleine Raja immer zum Lachen brachte. Und auch jetzt juchzte sie laut auf. Etwas eingerostet vom langen Knien kämpfte sich der alte Mann mühsam auf die Beine. Seine Knie hatten einen Abdruck in der weichen Erde hinterlassen, wo er eben noch die Salviablätter geschnitten hatte. Er ging um die Brombeer- und Eisenkrautsträucher herum zum Zentrum des Innenhofes, in dem der Brunnen stand. Es war eigentlich nur eine steinerne Schale, in welche aus einer schmalen, sich in der Mitte befindenden Säule Wasser floss. Auf zwei Seiten füllten sich gleichzeitig kurze röhrenartige Gefässe aus Holz. Die Rohre mit dem so gesammelten Wasser kippten, wenn sie ausreichend gefüllt waren, über die jeweilige zentrale Achse und entleerten sich mit dem klackenden Laut von Holz auf Stein ebenfalls in die Steinschale, bevor das Holz durch das eigene Gewicht wieder in seine Ausgangslage kippte, um sich abermals langsam mit Wasser zu füllen. Wenn der Regen den nahen Bach anschwellen liess und die Steinschale überlief, fing der flache, breite Sockel des Brunnens das Wasser auf und liess es in einen Behälter unter der Erde abfliessen. Dieser grosse, tönerne Krug stand im Keller des Hauses, in dem sich auch ein Bad befand. Man musste nur das Feuer unter dem Krug entfachen und das warme Wasser in die Waschschale laufen lassen, indem man einen Korken aus der kleinen Oeffnung zog. Nach der Regenzeit im Herbst war der Krug manchmal sogar so gut gefüllt, dass Raja ein heisses Bad nehmen konnte.

Haltja füllte ein wenig Wasser in eine Kupferschale, um die Wunde auszuwaschen. Die Blutstropfen bildeten dunkelrote Schlieren, wanden und schlängelten sich im klaren Nass, als würden sie darum kämpfen, nicht von der Flüssigkeit aufgelöst zu werden. Eine Schlacht, den das Blut unmöglich gewinnen konnte. Das Wasser in der Schale war eine Macht, gegen die ein paar Tropfen Blut nicht ankamen, vor allem, da sie selbst grösstenteils aus Wasser bestanden. Das Blut löste sich auf und verwandelte das Wasser, wenn auch nur zu einem kleinen Teil, auch zu Haltjas Blut. Feinde in solcher Ueberzahl könnte man nicht besiegen. Man würde ausgelöscht und vom Sieger einverleibt, würde zu dem, was er war, unterläge seiner Herrschaft und würde somit selbst zum Feind. Doch würde man nun statt der Blutstropfen Steine in das Wasser werfen, würden diese sich nicht auflösen. Sie wurden umspült werden und auf den Grund sinken, aber der Feind könnte sie nicht auslöschen. Je gegensätzlicher die Gegner wären, desto geringer wäre die Chance, dass der Sieger den Verlierer in sich aufnähme.

"Ist die Wunde tief, Vater?" Die glockenhelle Stimme Rajas riss ihn aus seinen düsteren Gedanken. Das Mädchen war zu ihm herübergekommen und hatte sich auf die Zehenspitzen gestellt, um über den Beckenrand zu schauen, die kleine Nase nur ein paar Finger breit über dem Rand des Beckens "Nur ein Schnitt, Kleines" gab Haltja beschwichtigend zur Antwort. Der alte Mann wusch sich schnell die Hände und leerte anschliessend die Kupferschüssel mit dem gebrauchten Wasser in einen Thymianstrauch.

"eins von zwölf"

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Kassandera:
Glühende Erde. Karges Leben.


Weiter Blick über die Ebene Trockenes Land, wenig Grün Olivenbäume im Gegenlicht Schmale Wege durch buschige Oede Ein Dach über dem Kopf Holzfeuer ist Schutz, ist Wärme Am Wasser nachts Schatten am Teich Weisse Sandblumen Wenig aber hübsch und grün Anis am Wegesrand auf Fels gebaut Stadt dem Himmel nahe

oliver@kettiger.eu

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